Der Königsplan – Schachdenken im praktischen Leben

Unter dem Titel “Schach – Die Kunst des Perspektivwechsels” übertrug der Hörfunk-Sender SWR 2 am 30. November 2011 einen Beitrag der Journalistin Andrea Edler, in dem diese anhand des Buches “Der Königsplan” (Autoren: Stefan Kindermann und Robert von Weizsäcker) nach der Bedeutung des schachlichen Denkens für das praktische Leben fragte.

Neben Großmeister Stefan Kindermann und Robert von Weizsäcker, langjähriger Präsident des Deutschen Schachbundes, sprach sie dabei mit mir, der ich mit Schachkommentaren für die “Süddeutsche Zeitung” 1981 meine journalistische Laufbahn begonnen hatte. Audioaufzeichnung und Originalmanuskript zu der Sendung sind auf der Homepage des SWR unter folgendem link zu finden:  http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/leben/schach-koenigsplan/-/id=660174/nid=660174/did=8776154/ss28u8/index.html

Da ich nicht das das Copyright für die Texte, sondern, als Urheber, nur für meine eigenen Aussagen besitze, stelle ich diese hier ein und gebe die dazu gestellten Fragen der Interviewerin in indirekter Rede und kursiv gesetzt wieder.

(auf die Frage, warum man sich Nicht-Schachspieler mit Schachstrategien auseinandersetzen sollten und was Menschen, die vielleicht gerade mal die Grundregeln dieses Spiels kennen, davon haben könnten)

Stefan Teplan: “Es gibt ja im täglichen Leben ständig Situationen, in denen man analytische Fähigkeiten braucht, in denen man sich besonders stark konzentrieren muss. Und das ist etwas, das man im Schach intensiv lernt. Dazu gibt es auch Untersuchungen, dass das Schach, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, das Denken, die Intelligenz, in verschiedenen Bereichen fördert. Es fördert die Phantasie, die Kreativität, das Gedächtnis, das Konzentrationsvermögen und und und … sehr viel mehr als beispielsweise das Unterrichtsfach Mathematik.”

(auf die Frage nach einer gewissen Widersprüchlichkeit: Einerseits sei das Spiel hoch angesehen und wer es gut beherrsche, gelte als kognitiv leistungsfähig. Andererseits gäbe es unter den Schachspielern nicht auch lebensferne verschrobene Genies und gäbe es nicht Anekdoten einzelner Schachpersönlichkeiten, die dieses Bild  am Leben erhielten?)
Stefan Teplan: “Als Beispiel nenne ich mal den Ex-Weltmeister Wilhelm Steinitz, der am Ende seines Lebens Gott zu einer Partie herausgefordert hat. Der ist also im Größenwahn geendet und hat dann auch noch gesagt, er würde ihm eine Figur vorgeben. Oder auch der Ex-Weltmeister Aljechin war manchmal geistig so abwesend, dass er beispielsweise bei einer Turnierpartie in den Saal hinein uriniert hat, weil er sich im Geiste einfach nur auf das Schachspiel konzentriert hat.”

(auf die Frage, ob die Idee, schachliches Denken auf andere Bereiche zu übertragen, nicht schon in anderen Werken existiere)

Stefan Teplan: “Kein geringerer als der Ex-Weltmeister Garry Kasparow hat ein sehr spannendes Buch auch in dieser Richtung geschrieben, das  Buch „Strategie“ (der vollständige Buchtitel lautet: “Strategie und die Kunst zu leben: Von einem Schachgenie lernen” – nachträgliche Anmerkung von Stefan Teplan), in der das schachliche Denken auch auf das Alltagsleben, insbesondere auf die Wirtschaft übertragen wird. Es gab aber auch schon im Jahr 1907 ein philosophisches Werk des damaligen Weltmeister Emanuel Lasker, mit dem Titel „Kampf“, in dem er das Leben als Kampf analysiert hat und die Gesetze des schachlichen Kampfes auf das Leben übertragen hat.”
(auf die Frage, ob aber am „Königsplan“ die Herangehensweise nicht neu sei).

Stefan Teplan: “Ich würde sagen als Anleitung ist es exzellent und hat es Premiere, dass ein Buch hier wirklich sinnvolle Anleitung gibt. Die anderen Werke, die ich genannt habe, die als Vorläufer gelten könnten, sind eigentlich doch sehr theoretisch und abstrakt. Und mit praktischen Übungen und als Anleitungen gedacht ist das eigentlich wirklich das erste Buch in diese Richtung.”

(auf die Frage, ob es nicht eine gewisse Vielschichtigkeit die Faszination am Schach ausmache und das Spiel
für viele zu einer regelrechten Kunstform erhebe)

Stefan Teplan: “Der Ex-Weltmeister Alexander Aljechin betrachtete seine gesamten Schachspiele als Kunstwerke. Er sagte, er arbeitete daran wie an einem Kunstwerk. Und der berühmte Musikkritiker Harold Schonberg aus den USA, der Musikkritiker der New York Times, schrieb, eine gute Schachpartie sei vergleichbar mit einer Sinfonie von Mozart oder einem Buch von Marcel Proust oder Franz Kafka, also ein Kunstwerk auf höchstem Niveau.”

© Stefan Teplan mit freundlicher Genehmigung des Urhebers 😉

Buchtipp dazu:

Stefan Kindermann, Robert von Weizsäcker
“Der Königsplan – Strategien für den Erfolg”
Rowohlt Verlag 2010
336 Seiten für 19,95 Euro
ISBN 978-3-498-07370-1